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Reiner Matthias Wagner -Mediator, Rechtsanwalt, Steuerberater

Reiner Matthias Wagner
Mediator, Rechtsanwalt, Steuerberater

Pappenheimstr. 11 / 80335 München / Tel.: 089 - 51657968 / Fax 089 - 54329538
E-Mail: wagner-ra @ datevnet.de
(bitte beim Übernehmen die Leerzeichen vor und nach dem @ weglassen /
sie dienen nur dem Spamschutz/ Danke)

WEITERE TYPISCHE FRAGEN UND MEINE ANTWORTEN ZU "MEDIATION"


  • Warum kann Mediation funktionieren, wenn Gespräche zwischen den Parteien versagen?
    Weil Sprache mehrdeutig ist, und im Konflikt jede Partei nur das das "hören" wird was ihre eigene Ansicht über den Konflikt bestärkt . z.B.

    • A: "Schatz die Ampel ist grün".
    • B: "Ich bin doch nicht blind"!

    Dem Mediator, der selbst am Konflikt nicht beteiligt ist, fällt es viel leichter aus den Aussagen der Parteien die Bedeutungen herauszuarbeiten die Lösungsmöglichkeiten für den Konflikt bieten.

  • Wie geschieht das?
    Hinter jeder Aussage oder Position im Konflikt ,- z.B. " Ich will den Biedermeier Sekretär" -, steht ein Interesse ,- warum man diesen Wunsch hat, z.B. " der Sekretär ist mir wichtig, weil er das letzte Erinnerungsstück an meine Großeltern ist, und ich habe immer glückliche Ferien dort verbracht" -.

    Der Mediator , versucht durch Fragen eben diese Interessen offen zu legen, weil sich daraus sehr viel leichter Lösungsmöglichkeiten für den Konflikt erarbeiten lassen. Denn oft kennt die andere Partei dieses Interesse gar nicht, und kann allein darum schon nicht den Wunsch des anderen akzeptieren.

  • Wenn man davon ausgeht, dass sich Verhandlungen am erfolgreichsten im Rahmen eines "guten Gespräches" führen lassen, was sind die Vorraussetzungen für das Zustandekommen?
    Ein gutes Gespräch kommt nach meiner eigenen Erfahrung am ehesten dann zustande, wenn alle Teilnehmer auf der gleichen Ebene ,- mit dem gleichen Selbstverständnis -, reden.
    Konkretes Beispiel, ein gutes Gespräch kommt nur schwer zustande, wenn einer der Teilnehmer mit sich zufrieden ist, und der andere nicht. Dann gibt es ein Ungleichgewicht welches häufig versucht wird durch Angriffe / Appelle an das schlechte Gewissen auszugleichen, damit beide nicht mehr mit sich zufrieden sind.

    Wenn aber beide mit sich unzufrieden sind kommen sie nur schwer allein zu einem Ergebnis in der Sache um die es gehen sollte, weil jeder zu sehr mit seiner Unzufriedenheit beschäftigt ist und damit die Beziehungsebene gestört ist.

    Es ist ein häufig zitierter Grundsatz jeder Verhandlungslehre, dass wenn die Beziehungsebene gestört ist, auf der Sachebene nichts zu erreichen ist.

  • Warum verstehen wir Aussagen besonders gern dann nicht "konstruktiv und lösungsorientiert" wenn wir wütend sind oder uns unterlegen fühlen?

    Weil jeder von uns in einem Gespräch jede Aussage erst interpretieren muss, damit sie einen Sinn ergibt, und kaum einer von uns,- "jedenfalls ich nicht" -, seine eigene Situation und Stimmung bei der Interpretation ausser Acht lassen kann.
    Aussagen wie:
    "Die Suppe schmeckt heute aber anders"
    sind mehrdeutig, erst durch die Interpretation des Zuhörers wird ihnen ein Sinn zugeordnet.
    Z.B.nach dem Kommunikationsquadrat von Friedemamm Schulz von Thun (näheres siehe bei dem Autor selbstSchulz-von-Thun) steckt darin ein,

    1. Sachinhalt: Die Suppe schmeckt nicht so wie ich es erwartet habe.
    2. Eine Selbstkundgabe
      1. des Senders/ Sprechers
      2. und des Hörers / Interpreten
      Diese kann sich ihrerseits auf verscheidene Ebenen beziehen
      • im Sinne einer Bewertung der eigenen Person / Selbstbewertung:
        1. ich fühle ich mich wohl, bin ich mir zufrieden meiner selbst sicher,
          • Als Hörer / Interpret fällt es mir leichter die Aussagen des anderen nicht auf mich als Person zu beziehen,
          • Als Sprecher /Sender fühle ich mich wohl
            • und kann daher unerwartetes leichter sachlich interpretieren
            • oder will Überlegenheit und Herrschaftsanspruch ausdrücken
        2. ich fühle mich schwach, minderwertig, gestresst
          • Als Hörer/Interpret werde ich leichter Aussagen des anderen auf mich als Person beziehen und mich angegriffen fühlen.
          • Als Sprecher/ Sender fühle ich mich der Situation nicht gewachsen und nehme daher
            • das Neue primär als Bedrohung wahr gegen die ich mich wehren muss;
            • will Ausgleich herstellen durch Verunsicherung des Anderen, damit auch er/sie sich genau o schwach fühlt wie ich.
      • Eine persönliche Bewertung der Sache:
        • es schmeckt mir.
        • es schmeckt mir nicht.
    3. Ein Appel dessen Inhalt sich in diesem Beispiel nur aus der Interpretation der Selbstkundgabe erschließen lässt.
      • z.B. probier öfter was neues
      • lieber nichts neues probieren
    4. Ein Beziehungshinweis: Der sich erst aus dem Kontext, der Körpersprache und dem Ton interpretiern lässt z.B.
      • ich mag Dich so wie Du bist
      • ich hätte Dich lieber anders

    Soweit in den Aussagen egal auf welcher Ebene eine Wertung enhalten ist;

    führt das schnell im Sinne der Unterscheidung von oben zu:
    "ich rede über Dich".

    Wie der Zuhörer die Botschaft interpretiert, kann man durch die Botschaft nur eingeschränkt steuern,- man erfährt es aber aus der Antwort.
    Z.B. die Antwort: "Du kannst ja morgen selber kochen;" oder ähnliches zeigt an, der Hörer betont den Wertungsaspekt und fühlt sich angegriffen.
    Ein Mediator kann in einer solchen Sitauation durch Nachfragen den eigentlich gemeinten Sinn von beiden Botschften klären und damit zum Gespräch zurückführen.
    Aber nur dann wenn er wirklich neutral ist. ("Auch ich allein, kann in einer Situation in der sich mein Partner angegriffen fühlt ein Streitgespäch oft nicht vermeiden, weil ich Partei im Gespräch bin, und daher ein Beitrag im Sinne eines Mediators als nicht authentisch seine Wirkung im Gespräch verlieren würde.")

  • Wozu die ganzen theoretischen Ausführungen zum Inhalt?

    Um zu erklären worin die Arbeit des Mediators bei der Interpretation/Klarstellung einer Aussage bestehen kann.

  • Wann ist eine Mediation der Richtige Weg?
    Wenn:
    und / oder

    • persönliche und sachliche Elemente bei der verhandlung ineinander greifen;
    • die Vertrauensbasis zwischen den Parteien so weit als möglich wiederhergestellt werden soll
    • eine schnelle Regelung notwendig ist
    • Geschäftsbeziehungen erhalten werden sollen
    • größtmögliche Vertraulichkeit gewünscht wird
    • für eine wirkliche Lösung die Mitarbeit aller Parteien erforderlich ist
  • Eine Mediation funktioniert daher nicht,wenn:
    1. wenn ein Konflikt bereits so verfestigt ist, dass eine Partei nicht mehr bereit ist, auf die sich in den Aussagen der anderen Partei bietenden Lösungsmöglichkeiten einzugehgen,
    2. oder wenn eine Partei das Verfahren nur zu ihrem eigenen Vorteil benutzen will, "um ohne Abstriche in der Verhandlung die eigenen Ziele zu erreichen".

  • Eine Mediation funktioniert nur schlecht wenn
    1. Nicht alle vom Thema der Verhandlung betroffenen an der Verhandlung teilnehmen.

      Hier kann es helfen

      • den/die fehlenden Teilnehmer einzuladen
      • oder wenn sie nicht teilnehmen können oder wollen, durch einen Stellvertreter zu ersetzen.
      • Betroffen sein kann auch ein "Sachinteresse", z.B. das reibungsfreie Funktionieren im Unternehmen, auch dieses müsste ggf. durch einen eigenen Vertreter in der Verhandlung repräsentiert werden, wenn die anderen Teilnehmer daneben auch persönlich/ als Mensch betroffen sind.

    2. Mit der Verhandlung eine tiefer greifende Änderung des Verhaltens eines der Teilnehmer bewirkt werden soll.

      Jeder von uns weiß wie schwer es ist sein Verhalten zu ändern, auch wenn man die Notwendigkeit einsieht, aber mehr als wirkliche Einsicht kann eine Mediation auch nicht bewirken.

      Wenn ich Verhaltensänderungen erreichen will, ohne die Ebene des Gespräches im Sinne von "ich rede über mich" zu verlassen ist es notwendig:
      • das geänderte Verhalten als eigenen Wunsch zu erklären/ und
      • zu akzeptieren, dass Wünsche nicht immer in Erfüllung gehen/ und
      • dies beides in der Verhandlung klar zum Ausdruck zu bringen.

      Wenn diese Voraussetzungen nicht eingehalten werden ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mediation zum geänderten Verhalten führt eher gering.

  • Was kann der Nutzen einer gescheiterten Mediation sein?

    Schnelle Klarheit über die Situation, z.B.

    • dass ich das Verhalten des anderen so wie es ist akzeptieren muss oder
    • an einer Kündigung / Trennung kein Weg vorbei führt.

  • Wie läuft das Gespräch ab?
    Die Parteien verhandeln:

    1. eigenverantwortlich
    2. freiwillig
    3. ergebnisoffen
    4. vertraulich
    5. informiert, - das heißt die Parteien sollen genau über ihre Rechte und Pflichten, sowie die Tragweite der ins Auge gefassten Vereinbarungen aufgeklärt werden.
      Sollte für den Meditiator im Zuge der Verhandlungen der Eindruck entstehen, dass dies nicht der Fall ist, so wird er die betroffene Partei entweder ein einen externen Berater verweisen, oder, wenn alle Parteien einverstanden sind, selbst in Anwesenheit aller Parteien für die notwendigen Informationen sorgen.
    Der Mediator verpflichtet sich die Verhandlungen allparteilich zu leiten,- das heißt neutral und nicht im Interesse einer der beteiligten Parteien -.
    Die ausgesuchten Themen werden nacheinander besprochen. Dabei durchläuft das Gespräch verschiedene Phasen die es ermöglichen am Ende die Lösung für das Thema zu finden.
  • Was ist der Unterschied zu einer Gerichtsentscheidung
    Erstens , dass die Lösung von den Parteien selbst gefunden wird,
    und zweitens dass der Konflikt nicht nur beendet, sondern gelöst wird, weil nur dann eine Vereinbarung zustande kommt, wenn alle Parteien damit zufrieden sind.

  • Wie lange dauert das Verfahren?
    In der Regel nicht länger als 7 - 10 Termine à 1 1/2 Stunden.
    Eine genaue Prognose ist nicht möglich, In der Regel ist aber spätestens im zweiten Termin klar ob das Verfahren eine Aussicht auf Erfolg hat.
    Bei Bedarf können die Termine auch zusammengefasst werden, - zum Beispiel an einem oder zwei Wochenenden -.

  • Warum eignet es sich besonders gut zur Vorbereitung einer Scheidung/Trennnung?

    Weil:
    • Die Entscheidung über die Trennung in der Regel schon gefallen ist, und
    • die Parteien daher voneinander keine grundlegende Änderung des Verhaltens,- zu den Schwierigkeiten siehe oben -, sondern lediglich eine Änderung der Umgangsformen erwarten
    • und eine Änderung der Umgangsformen über Verstehen und Einsicht besonders leicht zu vermitteln ist.